Deutsche Gesellschaft für Hypnose und Hypnotherapie e.V.

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Forschungsprojekte

Anwendung

Hypnose fasziniert viele Therapeuten als komplexes psychosomatisches Phänomen und differenzierte Heilmethode in seinen vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten. Alle, die mit Hypnose arbeiten, wissen, dass man etwas dafür tun muss, ihr Ansehen weiter zu fördern und ihre Legitimation im Rahmen der Behandlung und der klinischen Praxis auszubauen.

Es ist daher beruhigend zu sehen, dass zahlreiche Forschungsaktivitäten stattfinden, um Grundlagen und therapeutische Wirksamkeit zu klären. Hier ein Überblick über das, was in den einzelnen Arbeitsgruppen zur Zeit (in der Bundesrepublik) untersucht wird.

Da geht es um Erforschung von Grundlagen der Hypnotherapie mit Studien zur Armlevitation, Korrelaten von Persönlichkeitsvariablen und physiologischen Maßen mit der Trance. Oder um den Effekt der Hypnose auf den Fötus, wenn die Mutter in Trance ist. Und es geht um die Überprüfung der Wirksamkeit von Hypnotherapie bei verschiedensten Störungen wir Tabakabusus, Heuschnupfen, Reizdarm und Ängsten sowie in einer Metaanalyse um das Ausmaß, indem die Hypnose andere therapeutische Methoden wirksamer macht.
 

Grundlagen

Impulsivity, self-control and hypnotic suggestibility. Consciosness and Cognition.
Studie (in revision) nach Vera U. Ludwig, Christine Stelzel, Harald Krutiak, Carina Prunkl, Rosa Steimke, Norbert Kathmann, Henrik Walter


Einfluss der perioperativen Hypnotherapie zur Verbesserung postoperativer kognitiver Leistungen

Eine randomisiert-kontrollierte offene klinische monozentrische Interventionsstudie (Kurztitel HYPNOC)
In der Studie wird untersucht, in wie weit Hypnosesitzungen vor und nach einem Eingriff am offenen Herzen oder der Wirbelsäule das postoperative kognitive Outcome der Patienten beeinflussen. Primäres Endziel ist die Erfassung von postoperativen kognitiven Defiziten bei Entlassung.

Hypnotherapeuten: Herr Dipl.-Psych. Harald Krutiak, Herrn Enrico Markgraf

Die Studie erfolgt in Zusammenarbeit mit der Charité, Berlin
Universitätsklinik für Anästhesiologie m. S. operative Intensivmedizin
Charité - Universitätsmedizin Berlin
Campus Charité Mitte
Charitéplatz 1, 10117 Berlin


Armlevitation

Arbeitsgruppe Burkhard Peter (München, Burkhard-Peter@t-online.de)
Mehrere elektromyographische Untersuchungen zur hypnotischen Armlevitation.

Philipp Schiebler: Ideomotorische Armlevitation I: Pilotarbeit (mit Christoph Piesbergen, Christoph.Piesbergen@psy.lmu.de).
Schiebler hat  für seine Arbeit dieses Jahr den Nachwuchsförderpreis der M.E.G. erhalten.

Anna Sauer (mit Maria Hagl, haglm@psy.uni-muenchen.de): Ideomotorische Armlevitation II: Unterschied zwischen Ideomotorik und Idiomotorik (mit CSM).

Kristina Lucic: Ideomotorische Armlevitation III: Einfluss von haptischer Unterstützung (mit CSM) (mit C. Piesbergen).
Geplant ab Herbst: Ideomotorische Armlevitation IV: Hypnose vs Compliance; Hypnose und Wachheitszustand (CSM); Wachheitszustand (CSM) bei der Induktion somnambuler Zustände.
 
Hypnotisierbarkeit und Persönlichkeit
Arbeitsgruppe Burkhard Peter (München)

Christina Bose: Persönlichkeitsstile bei Anwendern von Hypnose (mit Christoph Piesbergen);

Alexandra Bazijan: Hypnotisierbarkeit und Bindung I: Pilotarbeit (mit Christoph Piesbergen).

Melina Staudacher: Hypnotisierbarkeit, Dissoziation und Bindung II (mit Maria Hagl). (Christoph.Piesbergen@psy.lmu.de)
 
Hirnmechanismen der Hypnose
Arbeitsgruppe Ulrike Halsband (Freiburg ,halsband@psychologie.uni-freiburg.de)

Hypnose bei Dentalphobikern: fMRT Studie

Projekt A: Patienten mit ausgeprägter Dentalphobiewurden mittels funktioneller  Kernspintomographie (fMRT)  unter zahnärztlicher  Kurzhypnose und im Wachzustand mit phobierelevanten Videoszenen und neutralen Stimuli im Scanner konfrontiert. Es  konnten signifikante Reduzierungen der Aktivierungen im fronto-limbischen System unter Hypnose nachgewiesen werden (in Zusammenarbeit mit Vesna Marcovici-Decker und Franziska Hartmann).

Projekt B:  Dentalphobiker  werden nach eine Behandlung mit Hypnotherapie (5 Sitzungen). im fMRT Scanner  gemessen vor Therapiebeginn (t1) im direkten Anschluss nach der  Hypnotherapie (t2) und nach sechs Monaten (T3).
 
Hypnotische Tranceinduktion: EEG-Korrelate
In Zusammenarbeit mit Thilo Hinterberger wurden mittels Elektroencephalographie (EEG)  die neurophysiologischen Korrelate einer Hypnoseinduktion systematisch untersucht. Die größten Veränderungen  zeigten sich während der Armlevitation und der Stufeninduktion.
 
Wachheitsgrad bei Hypnose (CSM-Studie).
Mittels Cerebral State Monitoring (CSM 2) wurden in Hypnose Veränderungen des Wachheitsgrades erhoben und verglichen mit der subjektiven Einschätzung der Entspannung (Bachelorarbeit von Thilo Fleisch).
 
Intrauterine Trance (Fetale Wirkung der Hypnose)
Arbeitsgruppe Joscha Reinhard (Witten, reinhard@marien-hospital-witten.de)
Erste Ergebnissebei Schwangeren zeigen, dass auch das Kind auf die mütterliche Trance reagiert. Studien belegen, dass in Trance der "Entspannungsmodus", mit einem erhöhten Parasympathikus-Einfluss, eingeschaltet wird. Feten reagieren auf die entspannte Situation im Uterus - sie haben mehr Platz - und zeigen eine Sympathikus-Stimulation mit erhöhter Bewegungsfreude. Diese Veränderung ist schon ab der 20. Schwangerschaftswoche zu beobachten.

In einer anderen Studie konnte im Vergleich zu einer Kontrollgruppe eine reduzierte Frühgeburtenrate bei Schwangeren festgestellt werden, eine schon von der Ethikkommission geplante randomisiert-kontrollierte Studie wird in Kürze durchgeführt werden. (FamilieReinhard@web.de)
 

Klinische Anwendungen

Zahnarzt-Phobie
Arbeitsgruppe Albrecht Schmierer (Stuttgart, aschmierer@aol.com)
Christian Leonhardt macht eine follow up studie zur Arbeit von Ursula Lirk in der er die Patienten ein Jahr später zu den Langzeiteffekten unserer Angsttherapie befragt hat.
 
Ute Stein hat in ihrer Diss hat bestätigt, dass Albrecht Schmierers CD "Beim Zahnarzt ohne Stress" angst- und stressabbauend wirkt. Uwe Rudol hat in Aachen an einer FMRT Studie mit gearbeitet und Ulrike Halsband hat eine FMRT Studie mit Zahnarztphobikern in Arbeit.
 
Bruxismus
Arbeitsgruppe Albrecht Schmierer (Stuttgart, aschmierer@aol.com)
Falk Pfanne hat seine Diss. abgeschlossen, in der er bei Bruxismus die Wirksamkeit von Schienentherapie versus CD "Locker Lassen Lernen" vergleicht, beide Methoden sind gleich erfolgreich.
Oscar Bernd Schulz mit Albrecht Schmierer und Ezio Iacono (Bonn) planen eine Studie zum Bruxismus (obscholz@uni-bonn.de).
 
Heuschnupfen
Kerstin Schnurre. Es sollte herausgefunden werden, wieweit Hypnotherapie eine geeignete Therapieform für Rhinitis allergicaist. Bei dem von Eberhard Brunier entwickelten, ressourcenorientierten Vorgehen handelt es sich um eine selbstorganisatorische und lösungsorientierte Therapiemethode, bei der alte Muster unterbrochen und ein Selbstkontrollmechanismus aktiviert wird.

An 40 Inhalationsallergikern (von zwei Therapeuten behandelt) verglichen mit 20 Patienten der Warteliste konnte mit allergiespezifischen Fragebögen nachgewiesen werden, dass sich die körperlichen Symptome, sowie die psychischen Begleitsymptome kurz- und langfristig kurzfristig (2 bzw 8 Wochen nach der Behandlung) signifikant verbessern (kerstin.schnurre@web.de).
 
Reizdarm (RDS, IBS)
Jochen Hefneret al. (Würzburg)
Die Hypnotherapie ist bei Patienten mit Reizdarmsyndrom wirksam, dabei sind die Wirkmechanismen weitgehend unbekannt. In einer randomisierten Studie wurden an 62 Probandinnen (42 Verum- und 20 Placebopatienten, gematcht nach Suggestibilität) untersucht. Der Einfluss spezifischer hypnotischer Suggestionen auf die Magenmotilität (Elektrogastrogramm) wurde mit einer Konzentrationsübung.
Durch ein Referenzverfahren („drink-to-full test) verglichen. Die Auswertung läuft noch (jochen.hefner@t-online.de).

Hypnotherapie als Adjunkt
Erich Flammer (Konstanz)
In einer Metaanalyse wird die Wirksamkeit von Hypnose in Verbindung mit anderen psychotherapeutischen Verfahren untersucht (31 randomisiert kontrollierte Studien). Die behandelten Störungsbilder umfassen Depression, Angst, Substanzabhängigkeit, Rauchen, chronische Schmerzen u.a. Effekstärken reichen von –0,95 bis 5,44 (Median=0,44, 75%-Perzentil=0,84). Auf eine Agglutination wurde wegen der großen Heterogenität der Studien verzichtet. (ErichFlammer@aol.com).
 
Rauchen
Bernd Riegel und Arbeitsgruppe (Hamburg)
Anlässlich einer zur Wirksamkeit der Raucherentwöhnung (RCT-Studien von der Deutschen Krebshilfe und von der MEGgeförderte Smokex-Praxisevaluation).

Prüfungsängste und Gewichtsreduktion
In der Kurz-Darstellung klingt es wie eine Studie.) hat sich an der Universität Hamburg eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich weiterhin der Wirksamkeit von Selbsthypnose-CDs bei Prüfungsängsten (beide werden 2011 fertig gestellt) befasst und mit einer hypnotischen Gruppentherapie zur Gewichtsreduktion sowie mit der Evaluation und Validierung eines ökonomischen Suggestibilitättests (www.hiap.de)
 
Soziale Ängstlichkeit 
Julia Jablinski
In der Studie wird die Wirksamkeit einer auf indirekten Prinzipien basierenden Hypnose-Intervention bei sozial ängstlichen Probanden untersucht. Dazu wird den Probanden der Experimentalgruppe einmalig eine Hypnose-CD mit einer Dauer von 30 Minuten dargeboten. Als Intervention in der Kontrollgruppe dient die Hintergrundmusik der Hypnose-CD.
Die Symptome der sozialen Ängstlichkeit werden mit expliziten (Fragebögen) und impliziten (IAT) Maßen erfasst (Julia.Jablinski@gmx.net).
 
Rückenschmerz
Stefan Jacobs (Göttingen)
Das Projekt "Integrative Versorgung Rückenschmerz" wird von der TK direkt finanziert und läuft in 30 Schmerzzentren in der BRD. Es wird aufwendig  evaluiert und hat zu Ziel, in einem massiven Behandlungblock  von 4-max .8 Wochen bei Rückenschmerzpatienten die Chronifizierung zu vermeiden.

Arzt, Psychologe und Physiotherapeut arbeiten hier eng an jeden einzelnen Fall zusammen. In Göttingen kommt hierbei das von SJ entwickelte Kurzprogramm "Verhaltenstherapeutische Hypnose bei chronischem Schmerz " zum Einsatz. (Hogrefe, 2010.) drstefanjacobs@kabelmail.de

Neurobiologische Grundlagen der Hypnose – neueste Erkenntnisse aus der Hirnforschung

Prof. Dr. Ulrike Halsband
Neuropsychologie, Institut für Psychologie, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Engelbergerstraße 41, 79098 Freiburg
E-Mail: halsband@psychologie.uni-freiburg.de

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